Bodyscan & Gehmeditation

„Der Bodyscan“ -eine intensive Körpererfahrung-

Ist es nicht erstaunlich wie viel Aufmerksamkeit wir auf unsere äußere Erscheinung lenken? Wie drastisch wir sogar bereit sind, unseren Körper operativ zu verändern um ihn auf brutalste Weise einem dubiosen Idealbild anzugleichen…. Die gleiche Zeit, jedoch mit sehr viel weniger Einschnitten (im wahrsten Sinne der Worte) könnten wir dazu verwenden, uns selber näher zu kommen und dieses wunderbare Geschenk „Körper” in liebevoller Weise zu entdecken.( Jon Kabat Zinn)

Unsere Körperwelt hat ein vielfältiges Innenleben. Ein so tiefes Feld an Sanftheit und Berührtheit, dass Jeder, der seinen Körper zum ersten Mal wahrhaftig spürt, vor Dankbarkeit zu schmelzen beginnt. Ein noch so verhärtetes Herz beginnt zu schmelzen und alles bisher da gewesene verliert augenblicklich an Bedeutung. Alle Prägungen von nicht genügen, von nicht schön sein, von nicht perfekt sein, lösen sich auf. Dies ist der Beginn einer neuen unverwechselbaren Freiheit und Entspannung. Eine Freiheit die gleichsam mit Selbstbewusstsein einhergeht und viele vergleichende Dinge absurd werden lässt. Wir erkennen plötzlich die Tatsache, dass es keine Unschönheit gibt, die Schönheit liegt im Detail und das erschließt sich uns erst mit der Innenschau.

Der Bodyscan ist ein einfacher Weg sich diesem einzigartigen Geschenk der Schöpfung zu nähern. Wir verstehen darunter ein achtsames, inneres Abtasten des Körpers in Ruhe, auf dem Rücken liegend, im Sitzen oder während achtsam durchgeführter YOGA-Übungen. Der Bodyscan ist eine Wahrnehmungsübung, in der wir durch die einzelnen Regionen unseres Körpers geführt werden. Es geht dabei einzig um die Aufmerksamkeit in die jeweilige Körperregion oder der Körperhaltung in Verbindung mit dem Atem.

Während des Bodyscans oder der YOGA-Übungen stellen sich nach und nach Gedanken, Empfindungen, Gefühle und Emotionen ein. So können jederzeit, aus heiterem Himmel angenehme, wie auch unangenehme Körperempfindungen auftauchen. Diffuse Schmerzen können sich zeigen und eine Art „Gedankenkarussell“ entwickelt sich sehr gerne. All dies ist völlig normal! Und völlig normal wäre es, nicht darauf zu reagieren. Doch genau dieses “Nichtreagieren”, macht uns das Dasein in Stille so unglaublich schwer. Wir sind nicht geübt darin, in den Dingen, Gefühlen, Gedanken und Empfindungen das zu erkennen, was sie wirklich sind – Produkte unseres Verstandes…… „nicht mehr und nicht weniger“. Doch solange wir in die Vorstellung verliebt sind, existent zu sein durch die Produkte unseres Verstandes, begeben wir uns nicht in das Jetzt, sind wir nicht mit Haut und Haaren hier, sondern irgendwo und führen ein Leben ohne jegliche Verbindung zu dem, was im Augenblick wirklich ist.

So lernen wir anhand dieser einfachen Wahrnehmungsübung “hier” zu sein, anwesend zu sein im jetzigen Augenblick und in diesem Körper. Wir üben nach und nach eine Beobachterrolle einzunehmen, die es uns ermöglicht, alle Empfindungen und Erscheinungen mit den Augen eines nicht wertenden Betrachters zu erfahren. Prof. Dr. Jon Kabat Zinn hat diese aus der Vipassana- Tradition stammende Meditationsübung durch die Anwendung in seinen Stresskliniken alltagstauglich gemacht. So ist der Bodyscan heute eine wesentliche Säule des MBSR-8 Wochenkurses und für alle Menschen gleichermaßen segensreich anwendbar.

„Meditation im Gehen“

Thich Nhat Hanh

Meditation im Gehen kann sehr genussreich sein. Allein oder mit Freunden bewegen wir uns langsam, wenn möglich an einem schönen Platz. Im Gehen meditieren heißt eigentlich, das Gehen zu genießen – kein Gehen, um anzukommen, sondern nur, um zu gehen.

Es hat keinen anderen Zweck, als im gegenwärtigen Moment zu sein, bewusst den Atem und das Gehen zu spüren und jeden Schritt zu genießen. Daher müssen wir alle Sorgen und Ängste abschütteln. Wir denken nicht an die Zukunft, denken nicht an die Vergangenheit und genießen einfach den gegenwärtigen Augenblick. Dabei können wir ein Kind an die Hand nehmen. Wir gehen, wir machen Schritte, als seien wir der glücklichste Mensch auf der Welt.


Wir gehen zwar die ganze Zeit, aber unser Gehen gleicht gewöhnlich mehr einem Rennen. Wenn wir so gehen, hinterlassen wir Spuren der Angst und des Kummers auf der Erde. Wir müssen auf eine Weise gehen, die nur Spuren des Friedens und der Klarheit auf der Erde hinterlässt. Wenn wir das wirklich wollen, sind wir auch dazu fähig. Jedes Kind kann es. Wenn wir einen Schritt auf diese Weise tun können, sind wir auch in der Lage, zwei, drei, vier und fünf zu gehen. Wenn es uns gelingt, einen Schritt friedvoll und glücklich zu tun, setzen wir uns für die Sache des Friedens und des Glücks der ganzen Menschheit ein.

Die Meditation im Gehen ist eine wunderbare Übung. Wenn wir draußen im Gehen meditieren, bewegen wir uns ein wenig langsamer als gewohnt und stimmen unseren Atem auf die Schritte ab. Wir können zum Beispiel bei jedem Einatmen drei Schritte tun und bei jedem Ausatmen auch. Wir können also sagen: »Ein, ein, ein. Aus, aus, aus.« »Ein« ist eine Hilfe, um das Einatmen zu benennen. Immer wenn wir etwas bei seinem Namen nennen, geben wir ihm mehr Wirklichkeit, so wie wenn wir den Namen eines Freundes aussprechen. Wenn unsere Lungen vier statt drei Schritte möchten, gewährst du ihnen bitte vier. Verlangen sie nur nach zwei, gibst du ihnen zwei Schritte. Einatmen und Ausatmen müssen nicht gleich lang sein. Du kannst beispielsweise bei jedem Einatmen drei Schritte tun und bei jedem Ausatmen vier. Wenn du dich beim Gehen glücklich, friedlich und froh fühlst, übst du richtig.

Nimm bewusst wahr, wie deine Füße die Erde berühren. Geh so, als würdest du die Erde mit deinen Füßen küssen. Wir haben der Erde viel Schaden zugefügt. Jetzt ist es an der Zeit für uns, gut für sie zu sorgen. Wir bringen unseren Frieden, unsere Ruhe auf die Oberfläche der Erde und erfahren gemeinsam, was die Liebe lehrt. Wir gehen in diesem Geist. Ab und zu, wenn wir etwas Schönes erblicken, möchten wir vielleicht stehen bleiben und es uns ansehen – einen Baum, eine Blüte, Kinder beim Spielen. Während wir schauen, bleiben wir weiter bei unserem Atem, weil uns sonst die schöne Blüte verloren geht und wir uns in unseren Gedanken verstricken. Jeder Schritt, den wir tun, bringt einen kühlen Windhauch, der Körper und Geist erfrischt. Jeder Schritt lässt eine Blüte unter unseren Füßen aufleuchten. Das geht nur, wenn wir weder an die Zukunft noch an die Vergangenheit denken, wenn uns klar ist, dass das Leben nur im gegenwärtigen Moment zu finden ist.