1tes PAAR-Gespräch

Einblicke und Aussichten mit Marion & Bernhard Hötzel            

 
Mit den Paargesprächen aus dem ZENtrum, teilen wir immer mal wieder, ein paar Gedanken zur aktuellen Lage. In den letzten Tagen werden wir verstärkt nach passenden Meditation gefragt, die wir dann als Podcast oder Download auf die Homepage geben könnten. Wir haben uns darüber Gedanken gemacht und uns entschieden diesen Weg nicht zu gehen. Das Netz ist voll von guten und weniger guten Anleitungen, die wir nicht ergänzen möchten. Jedoch teilen wir sehr gerne mit Euch/Ihnen unsere Gedanken, die vielleicht dazu beitragen können, dass sich etwas bewegen kann. 

 

1. Wie wir den Frühling im April 2020 erleben..

 

 

EINBLICKE

 

Wir erfahren gerade, was es bedeutet in unserer persönlichen Freiheit und dem Kontakt mit anderen, eingeschränkt zu sein. Wir erfahren, wie es uns durcheinander wirbelt, wenn wir hören, dass die Grundnahrungsmittel  eventuell knapp werden, die med. Versorgung möglicherweise nicht für alle ausreicht und unsere Jobs infrage stehen. Einen kleinen Rückblick können wir schon wagen und vielleicht erkennen, dass es so schlimm gar nicht ist. Schlimm ist nur das, was wir daraus machen. Alles, was fremd ist, grenzen wir erstmal aus und wollen es nicht an uns heranlassen. So ist es allemal einfacher Schuldzuweisungen loszuwerden und sie über fremde Menschen, Länder, Regierungen, Virologen usw. zu ergießen. Ich denke hier wäre etwas Abstand ein willkommenes Mittel. 

 

Das kann ich unterstreichen, denn mit etwas Abstand können wir feststellen, was wir bisher so alles gemacht haben und mit dem Vergleichen, was wir hätten machen können.  Lassen Sie es mich anderes ausdrücken. Es geht darum darauf zu schauen, was hätte der Einzelne wagen können. Wo hätten wir mehr Vertrauen können, um die gefühlte Unsicherheit wahrzunehmen ohne gleichzeitig nach einer neuen Sicherheit zu suchen? Wo konnten wir es uns nicht gestatten Kontrolle aufzugeben und den Dingen ihren Lauf zu lassen?

 

OK. Schauen wir doch mal aus der Sicht einer doch im Grunde guten Versorgungslage, auf diese Tage und Wochen. Wir tun vielleicht gerade Dinge, für die sonst keine Zeit ist, können mal mit den Kindern und dem Partner auf gänzlich andere Weise zusammen sein und uns unserer Verletzlichkeit bewusst  werden. Wir erkennen vielleicht zum erstem Mal,  dass es einen wunden Punkt in uns gibt, wo wir uns hilflos fühlen.  Die Ohnmacht spüren nichts tun zu können und in gewisser Weise diesem kleinen Virus schutzlos ausgeliefert zu sein, ist eine existenzielle Erkenntnis. 

Ziehen wir doch einmal eine innere Bilanz, fragen wir uns, ob wir diese Zeit für uns selbst und andere genutzt haben? Haben wir überreagiert, oder haben wir genau das Richtige getan? Niemand kann das heute sagen. Mit all dem Wertvollen, dass wir über uns selbst lernen konnten, hat doch jeder etwas sehr Konkretes gewonnen. Nämlich, dass wir wissen, wie wir Ticken und wie wir uns selbst wahrnehmen, wenn alles Still steht. Ich glaube, dass diese Art der Betrachtung uns sehr viel mehr bringen kann, als rückwärts zu Zweifeln.

 

Ja und dann stellen wir aus der Perspektive des JETZT-Bewusstseins die Frage, sind wir mutig und konsequent in diesen Tagen und gehen wir mit der Möglichkeit, Zeit mit uns selbst zu verbringen, konstruktiv um? Sind wir mit sich verbunden, oder erliegen wir dem schnellen Treiben des Fernsehens, mit den immer neuen Nachrichten und Sondersendung? Rennen wir also im Shutdown, weil dies die einzige Bewegung ist, in der wir sicher fühlen? Ganz nach der Devise, weiter rennen, nur nicht innehalten!

Können wir auf den abendlichen Jogging-Rundkurs verzichten, obwohl der ja erlaubt ist und einen anderen Weg finden,  um uns um unsere Gesundheit zu kümmern? Ist es uns möglich auch zum Wohl der Anderen, sich mit den Wünschen des Egos zurücknehmen? Denn genau für dieses Übungsfeld haben wir Zeit im Shutdown.                                                                              

Durch den teilweisen Verzicht auf unsere individuelle Freiheit, kann es möglich werden, über unseren eigenen Mikrokosmos hinaus zuwachsen.

 

AUSSICHTEN

 

Denn ob mit oder ohne persönlicher Freiheit geht die Entwicklung weiter und wohin wissen wir nicht.  Wir können das nur Ahnen, Vermuten, Planen und uns mit einer Zukunft beschäftigen, die uns nicht von einem Jetzt abhält. Doch wir können beginnen mehr auf das zuschauen was gerade passiert. Und das ist meist ganz profan und hat mit Visionen nichts zu tun, und tatsächlich sind es die Dinge, um die es bei Schulung der Achtsamkeit geht. Gerade jetzt fehlt es uns an Gesichtsmasken, den Kindern fehlt es an Kindern, den Erwerbstätigen an Erwerb…usw.

Vielleicht lernen wir daraus für kommende Krisen, Millionen von Masken zu bevorraten, nur damit wir uns sicher zu fühlen können. Doch es kann anders kommen und meist ist das auch der Fall. Dann brauchen wir keine Masken, sondern irgendetwas anders, weil es dann evtl. kein Virus sein wird, der uns herausfordert und uns wieder an Punkt dieser tiefen Schutzlosigkeit, schmerzlich erinnert. Ich bin sicher, es werden die hungernden Menschen sein, die wir vergessen haben, deren Elend wir nicht mehr schönreden können und denen wir Schutz und Sicherheit geben müssen.

 

Und sobald wir beginnen, das Fremde in uns anzuschauen, können wir uns selbst nicht mehr als getrennt erleben, von dem, was wir im außen zunächst als fremd empfinden, sondern wir sind in der Lage uns im fremden Äußeren selbst zu erkennen. Dann werden wir uns um unsere Mitmenschen kümmern, weil wir fühlen und erfahren haben, dass sie ein Teil von uns sind. Flüchtlinge werden dann nicht gerettet, werden nicht mehr in Auffanglager unter völlig unmenschlichen Bedingungen eingesperrt, sondern wahrhaftig willkommen geheißen als vergessener Teil von uns selbst. So erzeugen wir Vertrauen bei den Menschen die wir seit Jahrzehnten, wenn nicht seit Jahrhunderten, nur ausgenutzt und benutzt haben, um unseren eigenen Wohlstand zu begründen.

Zu teilen verliert dann seine „materiell gebende“ Komponente und kann stattdessen zu einer umfassenden Wiedersehensfeier werden. Wiedersehen mit dem vergessenen Aspekt unserer selbst. Wäre das nicht ein Fest, das wir mit größter Freude erleben könnten und welches, mit den Partys, die vor der Krise feierten, nicht zu vergleichen ist?

 

Wir wünschen Euch / Ihnen weiterhin ein gutes LEBEN und freuen uns auf die kommenden Gedanken…

 

                       

 

 

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