3tes PAAR-Gespräch

 

Neubeginn & Unsicherheit

Ausblicke und Einsichten mit Marion & Bernhard Hötzel

 

 

2. Nichts mehr wie es war – Die Wucht der Veränderung –

 

Im Augenblick sehe ich mal erst diese unglaublichen Summen an Geld, mit denen wir alle konfrontiert werden. Niemand weiß, woher diese vielen Gelder kommen und für mich persönlich sind diese Summen schwindelerregend, nicht fassbar und auch auf irgendeine Weise bedrohlich. Diese gigantischen wirtschaftlichen Auswirkungen tragen wir alle und sehr wahrscheinlich viele Generationen nach uns und so entsteht in mir gerade ein trotzig verwegener Gedanke.

Seit der Krise von 2008 ist der Wert unseres Geldes in keiner Weise mehr mit irgendeinem Gegenwert gestützt oder gekoppelt. Das Geld verzinst sich nicht mehr und somit vermehrt es sich seit Jahren auch nicht und genau dieses Faktum ist in meinem Konzept ganz wunderbar. Wenn sich Geld nun nicht mehr vermehrt und somit dem Zweck der ständigen Vermehrung nicht mehr dient, kann es einen anderen Zweck erfüllen und dem Gemeinwohl dienen. Dieser Gedanken ist erfrischend und schafft Raum für Entwicklung, Pioniergeist und Zuversicht. So empfinde ich das gerade.

 

Sind wir mutig und wagen wir uns gegen die Vorschläge, großer und längst an ausgedienter Technik überholter Industrien, zu entscheiden. Lassen sie uns sicher sein, das alte Jobs neu erschaffen werden und wenn nicht, kümmern wir uns um die Zurückgebliebenen.

Trauen wir uns eine Zukunft mit alternativen Konzepten der Mobilität für unsere Städte und die ländlichen Regionen zu denken, oder können wir, die in diesem Gedanken, kurzzeitig auftauchende Unsicherheit nicht ertragen? Entscheiden wir uns wieder, wie nach der Krise von 2008, die alten, maroden und längst überholten Konzepte zu verlängern, nur weil wir uns nicht zutrauen, dieser erlebten Unsicherheit für eine kurze Zeit standzuhalten?  

Wenn wir uns also stattdessen selbst vertrauen, wird es kein „WEITER SO“ geben und wir können beginnen Wirtschaft neu zu denken.  Eine Wirtschaft die dem Gemeinwohl dienlich ist, führt nicht in Umweltzerstörung und Klimakatastrophen, sondern schafft in uns ein Klima einer wachen Fürsorge.

 

Beginnen wir damit, in Zukunft nicht wegzuschauen und Verantwortung für unsere Gefühle und unsere Sensibilität zu übernehmen. Wecken wir selbst das Interesse an unserem Leben und lassen uns berühren von der Einzigartigkeit dieses Lebens… Wäre es denn nicht ein Jammer, wenn unser Leben trotz des Reichtums, den wir für uns in Anspruch nehmen können, armselig verginge? Werden wir anspruchsvoll, sobald es um unser Empfinden für das Ganze geht. Setzen wir den Gemeinsinn durch, wo immer es angebracht scheint.

Beginnen wir unsere Führungseliten daran zu messen, was sie zuwege bringen und welches Wohl das am Ende gesellschaftlich mit sich bringt. Überlassen wir die Geschicke unserer Existenz nicht länger einer einseitig verblendeten Führung, die mit ausgefeilten und gewaltigen Wortkombinationen, unseren Verstand vernebelt und somit in unserem Namen einem weiteren Ungleichgewicht, Tür und Tor öffnet.

 

Machen wir uns doch jetzt die Mühe ganz neu zu denken, wie es weiter gehen soll. Wechseln wir die Perspektive. Weg, von der Sichtweise vom höchst möglichen Nutzen für den Einzelnen, auf die Sichtweise zum höchstmöglichen Nutzen des Gemeinsinnes. So bedeutet Gemeinschaft doch auch das Bedürfnis, einen Teil unserer persönlichen Freiheit an das Gemeinwohl freiwillig abzugeben. Das erweiterte Bewusstsein kann an diesen Zusammenhang nicht vorbei, denn es gehört aus dieser Perspektive zwangsläufig zusammen.

 

Wir sollten mutiger sein, denn schließlich sind wir der Staat und ich glaube wir müssen uns in aller Radikalität bewusst machen, was in der jüngsten Vergangenheit in unserem Namen (in Ihrem, wie in meinem) geschehen ist. Wir können die Verantwortung für all das nicht abgeben, schönreden oder ignorieren. Es ist an der Zeit, zu erkennen, dass jeder Einzelne der Staat ist und somit können wir beginnen mit vitalem Interesse die richtigen Fragen zu stellen. Und unsere Vertreter können nur jene sein die Antworten finden, in denen sich jeder im Gesamtbild der Gesellschaft wiederfinden kann.

Mir ist es ernst und ohne apokalyptisch zu erscheinen, behaupte ich kühn, es geht um UNS. Um unsere Kinder und Enkelkinder und alle die danach noch kommen werden. Es geht um unsere Familien, Freunde und Fremde, es geht um das Bekannte und Unbekannte, es geht um das Schöne und das Abstoßende, es geht um Alles. Ein solch kleines Virus ist tatsächlich in der Lage die Menschheit zu dezimieren oder gar auszurotten, völlig lautlos und unsichtbar. 

All das scheint uns zu überfordern und tatsächlich tut es das auch. Es überfordert den Einzelnen. Doch niemand muss in Hoffnungslosigkeit oder Ignoranz versinken. Üben wir dankbar zu sein, ohne das Normale aus den Augen zu verlieren und beginnen wir doch tatsächlich Achtsamkeit und Meditation zu leben, damit sich Humanität ausbreiten kann. Erfahren wir wie unendlich schwierig es ist, die Liebe zu leben, sobald wir uns tatsächlich von ihr leiten lassen. Wir werden wach für die Dinge, die wichtig sind. Wach für weitere Zusammenhänge des Lebens und erschaffen eine Atmosphäre der sicheren Geborgenheit unter uns Menschen, damit alle Viren der Zukunft kein leichtes Spiel haben. Gesundheit ist ein hohes Gut, Bildung und Kreativität lassen auch die größten Unterschiede zwischen uns schmelzen und wir erkennen im Anderssein etwas Großartiges. Leben und Tod gehören zusammen, ohne das Eine ist das Andere nicht möglich. Und doch setzt sich das Leben, zumindest lehrt uns das die Geschichte bislang, immer wieder fort.

 

Vielleicht waren wir zu selbstsicher, haben uns in unserer Allmacht vollkommen überschätzt. Haben uns beruflich wie privat überfordert und stets nach dem Besonderen gestrebt. Dadurch haben wir den Kontakt zu uns selbst, unseren Mitmenschen und zu diesem Planeten verloren. Jetzt in der Zeit danach steht Verbindung im Vordergrund. In den vergangenen Wochen haben wir erfahren, dass wir über uns selbst, unsere Nation und über unseren Erdteil hinaus blicken müssen, um zu verstehen, dass wir als Menschen miteinander verbunden sind. Aus dieser Verbindung können wir die unterschiedlichsten Welten als Bereicherung erfahren, erkennen uns selbst, durch den Anderen und im äußeren Leben. 

Allen gesellschaftlichen Gruppen und Ansichten zugewandt sein und sich in unserer Gesellschaft offen und ohne Vorurteil zu begegnen, wäre das nicht eine umfangreiche und offene Kommunikation, die diesen Begriff verdient? Anderen zuzuhören, ohne gleich die eigene Ansicht dagegenzusetzen, wäre das nicht eine Atmosphäre in der Gemeinsames gedeiht und Trennendes überwunden werden kann?

Wenn wir bereit sind zu erfahren, das da im äußeren Leben nichts ist, was uns nicht auch in unserem Inneren begegnet, haben wir jene wichtige Neugier, die wir mitbringen müssen, um auf dem Weg der Meditation wach voran zu schreiten. Und dieser Weg der Meditation ist ganz konkret die vollständige Übernahme der Verantwortung für das eigene Leben und für alle Handlungen, die jeder Einzelne in seinem Leben vollzieht. Sicherheit gründet sich dann in uns selbst und sucht nicht mehr im Außen nach einer Person oder Institution, die uns diese Sicherheit verschafft oder schenkt.

 

Verantwortung und Sicherheit sind Aspekte, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen, sobald wir geistig wachsen wollen. So wollen wir bemüht sein, unser Bestes zu geben, jeder Einzelne darf sich berufen fühlen, sein jeweils Bestes zu geben. Jedem von uns sollte völlig klar sein, dass wir selber nichts von einem guten Leben haben können, wenn anderorts Menschen weiterhin unter uns leiden. Sobald wir die Verantwortung dafür übernehmen, erlangen wir eine tiefe innere Sicherheit unserer Selbst und ab da, wird unser Handeln mitfühlend und angemessen sein und fördert stets das Lebendige.

Und natürlich fallen wir auch häufig zurück, und natürlich lassen wir uns auch immer mal wieder von den vielfältigsten und durchaus schönen Dingen im Außen benebeln und setzten uns auch gerne mal in den Mittelpunkt der Welt. Doch wir erkennen immer häufiger, das das Außen laut und unwirklich ist. So lernen wir wach und neugierig zu sein und sind interessiert an allem was uns begegnet. Den Kindern, dem Partner, der Politik, der Wirtschaft, einem Talent, das in uns ruht, den Menschen die Unterstützung benötigen, den Wäldern, den Meeren, den Seen, den Bergen und Flüssen.

 

An dieser Stelle sagen wir herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit und vielleicht konnten wir Ihnen in diesen Zeiten nahe sein und Ihre Welt ein klein wenig bereichern…

Marion & Bernhard Hötzel

Eintrag publiziert unter Achtsamkeit, Allgemein, Meditation, Schule für Bewusstsein LIP and , , , .
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