Zukunft Leben…

 
 
ein Gedankenspiel mit Marion und Bernhard Hötzel

 

Lassen Sie uns doch ab jetzt die Zukunft leben…

Eine Zukunft mit all den neuen Verbindlichkeiten, wie Abstandsregeln und Hygienevorschriften, in der vielleicht das menschliche Bewusstsein im Mittelpunkt steht. Vielleicht lassen wir die Erkenntnis zu, dass alles was ab jetzt geschieht, dem weiteren Wachstum von  Bewusstheit im Einzelnen, sowie im gesellschaftlichen Kollektiv,  förderlich ist.  Im letzten Paargespräch sprachen wir die Überforderung des Einzelnen an und wir sprachen davon, dass Meditation ein wunderbares Werkzeug sein kann, mit dem wir das Leben, in all seinen Fassetten, erfahren.  Sie sagen jetzt vielleicht:  „Das ist nichts Neues!“ Ja und  nein.
 
Ja, denn Meditation ist nach wie vor ein bewährtes Mittel, Bewusstsein zu kultivieren. Doch unterlag Meditation allzu häufig einem Zweck.  Auch wenn wir gelesen und gehört hatten, dass es dieser oder jener Zweck ist, der Meditation mit einem Ziel verbindet, war es genau dieses oder jenes Ziel, das uns letztendlich fern hielt von der tieferen SEINS-Erfahrung, die eng mit dem Begriff der MEDITATION verbunden ist.  So hatten wir häufig Vorstellungen, wie z.B.: „Meditation macht mich ruhig und gelassen“, oder sie sollte uns dabei unterstützen uns wohl zu fühlen. Ja sogar die Forderung des glücklich sein, wurde ihr auf erlegt. Manche wollten die Traditionen großer Meister oder Lehrer ehren, wollten der Idee von Erleuchtung und der Illusion von einem Höheren selbst nacheifern, oder zumindest der Besonderheit, einer spirituellen Gemeinschaft anzugehören, Ausdruck verleihen oder wenn das alles zu hoch gegriffen schien, doch wenigstens ein spiritueller Gutmensch werden.
 
Nein, spirituell zu sein ist kein besonderes Prädikat und auch keine Auszeichnung. Zumal wir uns ja auch die Frage beantworten sollten, wer uns diese Auszeichnung verleihen sollte. Allein bei der Betrachtung dieser Frage müssen wir uns mal wieder unserem EGO stellen. Dabei ist spirituell zu sein, etwas sehr Direktes und Konkretes und die einfachste Weise wach, interessiert und sehr bewusst am Leben teilzuhaben. So sehen wir in Meditation,  den Beginn einer hochinteressanten Reise zu sich selbst, als Synonym für das menschliche Dasein. Sie stellt heute die Wissenschaft der ganz persönlichen Psycho-Neurologie dar, mit der wir vielleicht ein kleinwenig besser begreifen lernen, wie wir ticken. Sie kann das Werkzeug sein, das uns über unsere trennende Kampfnatur hinauswachsen lässt, wodurch wir die Chance erlangen, friedvoll zu sein und uns als Teil des Lebens anzuerkennen. Und wir sagen hier bewusst erkennen, denn begriffen haben wir das schon, nur das allein reicht nicht aus.
 
Vor diesem Hintergrund wird Meditation für uns zu etwas Essenziellem, zu etwas Prägendem, etwas Transformierendem. Und sie kann zu einer liebevollen Überlebensstrategie in diesen Zeiten werden. Die längst vergessenen Haltungen dem Leben gegenüber, die wir der Bedeutungslosigkeit überließen, erhalten ihre Wichtigkeit und somit einen Wert in unserem Leben, zurück. Wir lernen wieder zu Teilen und erkennen, wie wir mit diesem einzigartigen Leben eine liebevolle Koexistenz eingehen können. So reift allmählich ein neues Bewusstsein in uns heran, das wir ein emphatisch verbindendes Bewusstsein oder Brückenbewusstsein, nennen möchten.
 
Wir alle haben heute die Möglichkeit in die nächste Stufe des menschlichen Daseins zu gelangen.  Heute wissen wir,  dass Wissen oder etwas wissen,  nicht gleichzeitig auch Bewusstsein schafft. In den letzten Jahren unserer Vergangenheit konnten wir erfahren und erkennen, dass Intelligenz ohne Bewusstsein durchaus möglich ist.  So häuft unsere derzeitige  Intelligenz unglaublich vielfältiges Wissen an und sehr viele Menschen tragen ein riesiges  Expertenwissen mit sich herum. Doch wenn wir genau hinschauen hat dieses viele „Wissen“ keine beruhigende Wirkung auf uns Menschen, stattdessen kann uns das angehäufte Expertenwissen das Fürchten lehren.
 
Die Mehrzahl der Experten kann ein umfassendes Ganzes, schon lange nicht mehr erkennen und jeder Experte ist nur ein Teil-Wissender.  Dieses Teilwissen ist die Hauptursache für die vielen schlimmen Dinge die auf unserem Planten täglich geschehen und die Menschen, in allen Ländern der Welt, leiden lässt. Die Stimmen jener, die Zusammenhänge erkennen können und ihr großartiges Wissen einsetzen, um Entwicklung in Gang zu setzen, werden immer noch viel zu wenig gehört und viel absurder noch, werden sie oftmals verspottet und oder verunglimpft. 
 
Nun, wir können uns demnach Intelligenz durch eine Flut von Wissen aneignen, können uns davon berauschen lassen und zu wahrhaftigen Experten werden. Intelligenz kann sich von Bewusstsein abkoppeln, denn allein die Fähigkeit zur Konzentration, Auffassungsgabe und ein starker Wille reichen aus, um Experte zu werden.  

Bewusstsein jedoch kann sich von Intelligenz nicht abkoppeln. Beide bedingen sich und durch ihre Vermählung,  entfaltet sich eine gänzlich neue und sehr wach bewusste Intelligenz, die in ihrem Wesen nach emphatisch- gestalterisch- verbindend wirkt.  Sie wirkt stets aus sich selbst heraus, wirkt stets im Lebendigen, entwickelt und bereichert im höchsten Sinn, der Liebe. 
Vereinfacht könnte man es in der Formel ausdrücken: Intelligenz + Konzentrationsfähigkeit = Expertenwissen; Intelligenz + Bewusstsein = emphatisches Handlungsbewusstsein.

Durch Meditation können sich unsere menschlichen Potenziale entfalten und sich der Gleichung, Bewusstsein und Intelligenz erschafft emphatisches Handlungsbewusstsein, nähern.
Heute sind viele Menschen auf dem Weg zu einem umfassenderen Bewusstsein und sie stellen sich den Herausforderungen der neuen Zeit. Möglicherweise beginnen viele aus einem unerklärbaren inneren Druck heraus, mit dem nächsten Schritt der Evolution, vom Homo Sapiens zum Homo Deus, wie es Yuval Noah Harari in seinem Buch, eine Geschichte von Morgen, formuliert.
 
Die Idee von künstlicher Intelligenz und Digitalisierung, scheint für unsere Zukunft zu bestimmen. Sie wird zwar unser Leben noch nicht ersetzen können, doch sie wird es verändern und sich durch alle Bereiche unseres Daseins ziehen.  Heute schon entlasten künstliche Intelligenz und Digitalisierung unseren Alltag.   Digital gesteuerte Autos, Roboter für Alleinstehende- und Seniorenhaushalte, eine digitale Medizin und weitere sinnvolle Dinge, werden unser Dasein in den kommenden Jahrzehnten immer sicherer und vor allem aber auch vorhersehbarer machen. Eine Vielzahl der technischen Voraussetzungen dafür, sind bereits verfügbar und bei all dem Segen, den das für den Einzelnen und die Gesellschaft hat,  kann uns künstliche Intelligenz und digitale Technik uns auch schaden. Nämlich genau dort, wo wir ihr unbewusst ausgeliefert sind. Bewusstheit hingegen bleibt immer dem lebendigen JETZT zugewandt und erkennt das manipulativ Gesteuerte. 
 
In unseren Betrachtungen sehen wir beide Seiten und in beiden Seiten erkennen wir durchaus ein großes Potenzial für menschliches Wachstum. So beginnen wir uns auf die neuen Herausforderungen einzustellen und uns mit ihnen zu entwicklen. Beginnen wir mit einem Brückenbau in uns selbst, als Verbindung von der Alten, zur neuen Welt.  Eine Brücke zwischen dem, was gestern war, zu alldem, das wir heute noch nicht wissen.
 
Im Bau dieser Brücke, zwischen künstlicher und menschlicher Intelligenz, sehen wir die Praxis der Meditation als Wirkungsstoff, als Nähboden für Bewusstseinsbildung. In der äußerst aktiven Phase der individuellen Praxis, entsteht ein Raum, in dem sich eine völlig neue Wahrnehmung ausbreitet, eine neue Dimension die wir das „Brückenbewusstsein“ nennen. Hier verbindet sich das jeweils authentische Bewusstsein des Einzelnen, auf emphatische Weise mit dem Bewusstsein der Anderen und verwebt sich miteinander zu einem Band oder einer Form, oder einem Raum, aus dem sich dann ein kollektiv, emphatisch handelndes Bewusstsein, entfalten kann. So bauen wir innere Brücken und verlassen unsere engen und kleinen Welten von Vorstellungen und lassen uns auf das Leben, als Ganzes, ein.
 
In unserer Schule für Bewusstsein durch Meditation und Achtsamkeit, lehren wir seit vielen Jahren, das Wachstum in uns allein nicht entstehen kann. Wir benötigen Mitmenschen, die uns beflügeln und unterstützen. Und doch sind wir es letztlich ganz persönlich, die durch eigene Initiative, zu mehr Bewusstheit und wachsendem Bewusstsein beitragen können. Das Bewusste oder Bewusstsein, benötigt eine Vielzahl von Menschen, die aus sich selbst heraus wachsen. Nur so können wir tatsächlich an der Einzigartigkeit des Lebens teilhaben, denn das Kollektiv wird von der Ebene eines Gemeinwohles durchzogen und dieser Prozess, oder sagen wir besser diese Entwicklung, hinaus aus dem Drang überleben zu müssen, koste es was es wolle, ist der Weg hin zu einer Gesellschaft in Humanität und Gleichheit, wie sie unterschiedlicher nicht sein kann. 


 
Und diese Entwicklung ist keinesfalls eine Frage der Überzeugung oder der romantischen Sehnsucht nach dem Garten Eden! Nein, sie ist Frage und Antwort zugleich, denn in ihr es geht um Selbst-Verantwortung in bewusstem Dasein, eines erwachsenen Individuums. Vielleicht zu einer Menschheit, mit gottähnlicher Wesensart.

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