Es könnte doch sein…

Gedanken von Bernhard und Marion Hötzel
Mondsee 26. März 2020

CORONA swr.de

Wenn wir an Weihnachten 2020 wieder zusammen sitzen dürfen,
könnte es doch sein, dass wir uns mit unseren Familien und Freunden darüber unterhalten, dass das Leben sich in diesem Jahr in eine Richtung verändert hat, in die es sich hat sowieso verändern wollen. Es könnte doch sein, dass wir bei diesen Gesprächen feststellen, dass wir bei unserer letzten familiären Zusammenkunft zur Weihnacht 2019, diese Dinge die sich ändern sollten und müssten zwar benannten, aber im Grunde unserer Herzen nicht daran glaubten, dass diese Veränderungen möglich sein würden und schon gar nicht in nur einem einzigen Jahr.

Die Trägheit der Menschen und die als starr und festgefahren erlebten gesellschaftlichen Strukturen erschienen uns festgelegt und für unsere Zukunft vorbestimmt, ja es schien so, als ob uns Menschen keinerlei Einfluss auf diese Zukunft mehr gegeben wäre und wir das vor uns liegende Jahr, im gleichen ignoranten Zustand abspulen würden, wie die letzten zehn Jahre davor. Wer hätte es z.B. für möglich gehalten, dass dieses 2020 das erste Jahr sein würde, in dem der CO2 Ausstoß tatsächlich rückläufig ist?

Wie überaus hilfreich sich bei den dringend notwendigen Veränderungen, das Corona Virus erwies, konnten wir erst am Ende des Jahres 2020 ansatzweise erkennen und würden beginnen zu verstehen, warum wir diesem „Unterstützer des menschlichen Bewusstseins“, schon in seinem Namen die Krone aufgesetzt haben.

Es könnte doch sein, dass wir erkennen konnten, wie sinnvoll ist, die vorhandene Technologie so zu nutzen, dass Schulen, Universitäten und Büros zeitweise schließen konnten, ohne das ein Schaden entstand und es könnte doch sein, dass wir aufhören konnten Dinge zu produzieren, die wir nicht brauchten und die uns nicht fehlten, und dass wir die Dinge nicht vielfach um den Planten transportieren müssen, nur damit die Produktionen sich verbilligten, einige wenige Profit machten und somit den Raubbau der natürlichen Ressourcen in Kauf nahmen.

Es könnte doch sein, dass die Menschen im Jahr 2020 Vertrauen entwickelten und es gelang dem Leben die gestalterischen Möglichkeiten zu lassen, das Kreative zum Ausdruck zu bringen und es könnte doch sein, dass wir im Frühling 2020 lernen durften unsere eigene Langweile zu ertragen und das wir vor unseren Gefühlen nicht zurückschrecken brauchen. Es könnte doch sein, dass wir begannen zu erfahren, das Einsamkeit und Hilflosigkeit zu unserem Sein gehören und dass wir ruhiger und gelassener wurden, als wir erkannten, dass auch Krankheit und Tod zu unserem Leben gehören.

Es könnte doch sein, dass wir erleben durften, dass die nächste Chance zur einer weiteren Bewusstwerdung der Menschheit, nicht durch das unsägliche Leid eines dritten Weltkrieges ausgelöst werden musste, sondern dass wir diesmal relativ mild und unblutig davon gekommen sind. Und dass wir, aus dieser Perspektive gesehen, fast schon lautlos von einem Virus geweckt wurden und wie ganz selbstverständlich, an einem „WEITER SO“ nicht mehr festhalten konnten.

Es könnte doch sein, dass uns auch die ökonomischen Folgen in einem anderen Licht erschienen und dass wir dazu bereit waren, die mit der Krise verbundenen Kosten zu tragen. Es könnte doch sein, dass wir Familienangehörige, Freunde, Bekannte und viele Sicherheiten verloren und dass wir gerade dadurch zu mehr Vertrauen und Mitmenschlichkeit finden konnten und dem Wunder „Leben“ ein kleinwenig näher kamen.

Es könnte doch sein, dass dieses Geschehen auch eine Einladung war, die uns dazu ermutige, uns miteinander zu verbinden. Bleiben Sie wach für alles, was auf Sie zukommt und bleiben Sie gesund.

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